In der Presse: HINAUS IN DIE HEIDE, ZUM FLUSS

Dresdner Neueste Nachrichten 21.05.2010

"Sehnsucht nach Landschaft"
- Uta Hauthal mit neuem Buch –

Hinaus in die Heide, zum Fluss, so heißt das neue Buch von Uta Hauthal. Das stellt die in Dresden lebende Schriftstellerin und Sängerin heute, 20 Uhr, in der Buchhandlung Leselust vor. Ein Band mit sechs Erzählungen. Sie handeln von Liebe und Trennung, von Sehnsucht, vom Singen, bewegen sich zwischen Wunschträumen und ernüchternder Wirklichkeit.

In der Titelgeschichte trennt sich eine Frau, die als Sängerin auftritt, von ihrem Mann, einem Schriftsteller, der sich mehr um sein Romanmanuskript als um sie kümmert. Sie kann nur Trost in Selbstgesprächen an der Elbe oder in der Dresdner Heide suchen und sich ihren Fantasien hingeben. Schließlich hinterlässt sie ihrem Mann zum Abschied einen Monolog in 365 Briefen, geschrieben in dem Bewusstsein, dass sie dadurch ihrem Mann im Augenblick des Gehens mehr von sich zeigen würde als in der Zeit ihres tatsächlichen Zusammenlebens.

Die längste Erzählung dreht sich um Leon, einen Weltenwanderer aus Schottland, einen Architekten. Der versucht, in Dresden aus einer alten Fabrikanlage ein Kultur-Kraft-Werk zu machen, doch eine Sehnsucht treibt ihn wieder fort. Am Ende findet er seine wahre Bestimmung: Aus dem Architekten, der sich von Ruinen inspirieren lässt, wird nun ein Landschaftsgestalter, Leon beschäftigt sich mit den Lebensbedingungen von Büschen und Bäumen, pflanzt und hegt sie, als hätte er nie etwas anderes getan.

(T. Gärtner)

 

SAX, Das Dresdner Stadtmagazin, März 2010

"Marko, Alma und die anderen"
- Erzählungen von Uta Hauthal –

… Nun legt Uta Hauthal erneut vielschichtige Prosa vor. „Hinaus in die Heide, zum Fluss“ heißt ihr jüngstes, von der Dresdner Malerin Petra Schade stimmungsvoll illustriertes Buch mit sechs Erzählungen, von denen „In Pirna“ die kürzeste, skizzenhafte, nur reichlich vier Seiten umfasst, die längste, „Leon“, sich zum 30-Seiten-Zyklus auswächst, in dem von Leon und Mila erzählt wird, ihrem Aufeinandertreffen, von Trennung, Wiederfinden und Abschied auf Zeit.

Dies alles wiedergegeben in realen Bildfolgen, wenngleich legendenhaft und im Märchenton beschrieben, beeindruckt durchaus, und erreicht die dichte Plastizität und Nachhaltigkeit der kürzeren, konzentrierteren Texte des Bandes, mit denen Uta Hauthal brilliert: Marko ist unterwegs auf der Suche nach „der schmutzigen Ecke“, die er in einem antiquarischen Buch entdeckt hat, doch er findet auf seiner Reise einen Keramikesel, der ihn in seinen Bann zieht und das Buch vergessen macht. Der „Esel hatte seine Last abgeworfen, die Riemen zerbissen – das Tier befreite sich und schaute ihn an“ („Unterwegs“).

Hanna Gefrees, die Chansonette, braucht ein Jahr, um ihren Gefährten zu verlassen. Brief um Brief treibt die Trennung voran („Hinaus in die Heide, zum Fluss“).

Alma schließlich, im gelungensten und reifsten Text („Almas Farbe“), deren Blick „im halb geöffneten Herz einer orangenen Blüte“ ruht, ist schon sieben Jahre alt und kein kleines Kind mehr – aber ihre Suppe auslöffeln mag sie nicht. Jahre später wird sie auf Reisen gehen, weit weg, nach Athen, die Freundin besuchen, den Maler finden, den Dichter zwischen Orangenhainen und hohen Zypressen. Und wird wieder sieben Jahre alt sein, am heimischen Tisch sitzen, vor ihrem Suppenteller: „Und der ist leer.“

(LI LIEN)
 


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